Prävention und Gesundheitsförderung - Zusammenfassung

Prävention und Gesundheitsförderung für Mitarbeiter und Unternehmen                           Duisburg 13. März 2013

Älter werdende Belegschaften und eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit stellen sowohl für Unternehmen und als auch Beschäftigte eine große Herausforderung dar. Steigende Arbeits-belastungen und ein erhöhter Wettbewerbsdruck verstärken diese Problematik zudem.

Gemäß dem Motto Herausforderungen annehmen, Problemen vorbeugen und wirksam begegnen“ wurde in dieser Veranstaltung aufgezeigt, wie auf der Grundlage des Arbeitsschutzes, betrieblicher Gesundheitsförderung sowie Kooperation zwischen den Sozialversicherungsträgern, Unternehmen und Leistungsanbietern diesen Herausforderungen wirkungsvoll begegnet werden kann.

Nach einer kurzen Einführung in die Veranstaltung durch Frau Gudrun Vater, stellte Frau Uta Köhler von der Unfallkasse NRW die Aufgaben und Ziele des Arbeitsschutzes am Beispiel der Unfallkasse dar.

Die Unfallkasse ist Trägerin der gesetzlichen Unfallversicherung. Mit den gewerblichen Berufs-genossenschaften und den andern Trägern des öffentlichen Bereichs ist sie in der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung zusammengeschlossen. Kerngedanke und gesetzlicher Auftrag der Unfallkasse ist, dass Arbeit nicht krankmachen darf. Hierfür bietet die Unfallkasse Unterstützung und zahlreiche Leistungen an.

Eine wichtige Rolle zur Wahrung des Arbeitsschutzes spielen die Gefährdungsbeurteilungen, die vor jeder Aufnahme einer neuen Tätigkeit durchgeführt werden müssen. Der Arbeitgeber kann die Gefährdungsbeurteilung selbst durchführen oder andere fachkundige Personen, z. B. Führungskräfte, Fachkräfte für Arbeitssicherheit oder Betriebsärzte, damit beauftragen. Trotz klarer gesetzlicher Verpflichtung wird die Gefährdungsbeurteilung insbesondere in kleineren Betrieben noch nicht flächendeckend und in der erforderlichen Tiefe durchgeführt.

Dennoch waren sich die Beteiligten der Veranstaltung weitgehend einig, dass die Anforderungen des Arbeitsschutzes durchaus zu bewältigen sind und zahlreiche Unternehmen sich auf einem guten Weg befinden.

Im nachfolgenden Beitrag widmete sich Herr Andreas Schmidt vom Institut für betriebliche Gesundheitsförderung BGF GmbH dem Thema Betriebliche Gesundheitsförderung.

Betriebliche Gesundheitsförderung umfasst alle gemeinsamen Maßnahmen von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Gesellschaft zur Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz. Damit geht die Betriebliche Gesundheitsförderung über den Arbeitsschutz hinaus. Im Gegensatz zu diesem, ist der Arbeitgeber nicht zur Durchführung verpflichtet, obwohl (finanzielle) Unterstützung durch die Krankenkassen gewährleistet wird.

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) ist dagegen das systematische und nachhaltige Bemühen zur Gestaltung von gesundheitsförderlichen Strukturen und Prozessen im Unternehmen. Für die praktische Umsetzung des BGM haben sich einige Kriterien als erfolgsversprechend herausgestellt. BGM sollte Chefsache sein und dennoch müssen Mitarbeiter und Interessenvertretung mit einbezogen werden. Die Ausrichtung sollte den Anforderungen der Betriebe angepasst werden und sich vor allem an den Ressourcen, nicht nur an den Defiziten des Unternehmens und der Mitarbeiter orientieren. Darüber hinaus tragen ein ganzheitlicher Ansatz, eine transparente Vermittlung der Ziele und Inhalte sowie ein Projektmanagement zum Erfolg eines BGM bei. Eine realistische Planung und ein schrittweises Vorgehen schützen dabei vor überzogen Erwartungshaltungen. Es bietet sich an, die Übernahme der Kosten zunächst bei der Krankenkasse zu beantragen, die die meisten Mitarbeiter im Unternehmen versichert.

Trotz eines ganzheitlichen Ansatzes wird die Schnittstelle zum sozialen Umfeld vom BGF Institut nicht selbst bearbeitet. Hier wurde im Rahmen der Diskussion auf die Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit lokalen Institutionen und Kooperationspartnern hingewiesen.

Download der Präsentationsunterlagen

Im Folgenden stellte Frau Dr. Imke Schmitz-Losem von der BKK Pronova das Projekt PLAN GESUNDHEIT  - Tu was wirkt! vor. 

Projektbeteiligte sind als Leistungsträger die Pronova BKK, Betriebe mit Werks- und Betriebsärzte und die Deutsche Rentenversicherung Rheinland und als Leistungserbringer ambulante Rehabilitations-einrichtungen und Präventionsmanager. Ziel des Projektes soll es sein, Mitarbeiter und Mit-

arbeiterinnen der teilnehmenden Unternehmen mit einer gesundheitlichen und/oder arbeitsbedingten Risikokonstellation frühzeitig zu erkennen und nach Risikostratifizierung dem Präventionsprogramm zuzuführen. Aspekte der Verhaltensprävention als auch der Verhältnisprävention finden Berück-

sichtigung. So soll eine nachhaltige Lebensstiländerung sowie die Stabilisierung und Aufrecht-erhaltung der körperlichen und geistigen Gesundheit von Beschäftigten erreicht werden. Besonders wichtig ist, auch diejenigen Mitarbeiter zu erreichen und einzubeziehen, die schon ein erhöhtes Gesundheits-risiko aufweisen und eine gesundheitsgefährdende Tätigkeit ausüben, deren Erwerbs-

fähigkeit aber noch nicht akut gefährdet ist. Weiterhin findet das Projekt unter Berücksichtigung des beruflichen Settings mit Einbindung der Vorgesetzten und des Betriebs statt, um verhältnispräventive Aspekte zu beeinflussen. In einem gestuften Vorgehen werden die Teilnehmer bis zu fünf Jahre lang begleitet. Ein Motivationspfand soll dabei das Commitment der Teilnehmer sicherstellen. 

Erste Ergebnisse der Evaluation zeigen eine hohe Maßnahmenzufriedenheit, eine sehr geringe Abbruchquote und eine hohe Zielerreichung der Teilnehmer.

Im Rahmen der Diskussion wurde zunächst vom Publikum angemerkt, dass die Arbeitsverhältnisse (Führungsstil, Arbeitsbedingungen, etc.) zu wenig in diesem Konzept berücksichtigt werden. Im Anschluss daran wurde die Frage, ob und in welchem Ausmaß Prävention am Individuum oder an den Bedingungen der Arbeit ansetzen sollten kontrovers diskutiert.

Download der Präsentationsunterlagen

Zum Abschluss der Veranstaltung bot Frau Mechtild Janßen von der IKK classic einen Einblick in die praktische Umsetzung einer Betrieblichen Gesundheitsförderung am Beispiel eines innovativen Handwerksbetriebs, der auf eine lange Tradition zurückblicken kann - die Firma Krebbers Fenster- und Fassadentechnologie, Krefeld.

Grundsätzlich ist für Handwerksbetriebe wichtig, dass Programme praxisnah und gezielt auf die typischen Belastungen im Handwerk ausgerichtet sind. Ein Auslöser für die Zusammenarbeit war seinerzeit vor allem die Sorge des Unternehmers um einen Mitarbeiter, der spürbar unter besonderem Druck stand. Zudem führte die gute Auftragslage  unvermeidlich zu mehr Stress für alle Betriebs-beteiligten. Zur Beurteilung der Situation wurden zunächst Arbeitsabläufe der Mitarbeiter analysiert und im Besonderen nach Hindernissen und Störungen gefragt. Die Geschäftsführung begrüßte die externe Moderation, weil dadurch eine Reflektion aus einem ganz anderen Blickwinkel stattfinden konnte. Zunächst gehört viel Vertrauen dazu, fremden Personen Einblick in den eigenen Betrieb zu gewähren. Im Weiteren war es für die Mitarbeiter wichtig, mit den Trainern zu arbeiten, die man inzwischen kannte. Nachdem die kritischen Schnittstellen zusammengetragen waren, arbeiteten Führungskräfte und Mitarbeiter in Arbeitskreisen intensiv an Lösungsmöglichkeiten. Gute Unter-stützung gab es durch das Projekt BEFUNT der Hochschule Niederrhein und der IKK classic, z. B. mit einem praktischen Training zum Stressmanagement. Nach seinen Erfahrungen befragt, betonte der Unternehmer, er würde diesen Weg immer weiter empfehlen, denn der Nutzen sei im Vergleich zum Aufwand viel höher -  für ihn war der Erfolg bereits innerhalb weniger Wochen sichtbar.

 

 

Aktuelle Nachrichten

  • 1
  • 2
  • 3

Post-Reha Netzwerk präsentiert sich im Rahmen des …

Das Post-Reha-Netzwerk stellt seine Ergebnisse am 25. Juni 2013 in der Reihe „Gender & Telematik im Dialog 2013“ des Projektträgers ETN vor. Im Rahmen des Workshops "Gendersensible Methoden" werden Lene...

Read more

Finale Beirats- und Meilensteinsitzung des Post-Re…

Finale Beirats- und Meilensteinsitzung des Post-Reha Projektes

Am 10. Mai fand die dritte Beirats- und Meilensteinsitzung des Post-Reha-Netzwerks statt. Die Partner des regionalen Modellnetzwerks "Servicenetz Duisburg" (SN DU) schilderten ihre praktischen Erfahrungen aus der Versorgung der Probandinnen...

Read more

Prävention und berufliche Wiedereingliederung …

Die nächste Veranstaltung des POST-REHA Netzwerk findet am 24 April 2013 im Kleinen Prinzen in Duisburg von 16:00 Uhr-19:00 Uhr statt.

Mit dieser Veranstaltung wendet sich das...

Read more

Veranstaltung Prävention und Gesundheitsförderung

Prävention und Gesundheitsförderung für Mitarbeiter und Unternehmen - Herausforderungen annehmen, Problemen vorbeugen und wirksam begegnen-

Die nächste Veranstaltung des POST-REHA Netzwerk findet am 13. März...

Read more

POST-REHA-NETWERK bei der MEDICA 2012

POST-REHA-NETWERK bei der MEDICA 2012

Auch in diesem Jahr präsentierte sich das Post-Reha-Netzwerk wieder auf dem Gemeinschaftsstand des Landes Nordrhein-Westfalen bei der MEDICA. An einem Stand mit der Kaasa Health GmbH und dem  Interessenverband Contergangeschädigter...

Read more

POST-REHA Netzwerk auf dem IFDM 2012 in der Royal …

POST-REHA Netzwerk auf dem IFDM 2012 in der Royal Society of Medicine in London

Das POST-REHA Netzwerk auf dem 6. International Forum on Disability Management (IFDM) 10-12. September London, England UK.

http://www.rsm.ac.uk/academ/ifdm2012.php

Wie können Unternehmen die Arbeitskraft von erkrankten und behinderten Arbeitnehmern erhalten? Mit dieser...

Read more

4. Expertenworkshop findet am 5. Dezember 2012 in …

In der Reihe der POST-REHA Expertenworkshops findet am 05. Dezember 2012 die nächste Veranstaltung statt. Thema des aktuellen Workshops sind die kulturellen und genderspezifischen Besonderheiten in der Rehabilitation.

Dieser Workshop möchte...

Read more

ICCHP2012: Begleitartikel erschienen

Der Entwicklungsstand des Virtuellen Lotsen wurde im Juli 2012 im Rahmen der International Conference on Computers Helping People with Special Needs (ICCHP2012) vorgestellt.

Nach der Präsentation auf der Konferenz ist nun...

Read more

POST-REHA Netzwerk präsentiert sich auf ICCHP 2012

Der Entwicklungsstand des Virtuellen Lotsen wurde im Juli 2012 im Rahmen der International Conference on Computers Helping People with Special Needs (ICCHP2012) vorgestellt. Die Präsentation erfolgte im Rahmen der Session...

Read more